Sichere Geldanlagen in Deutschland

von Rafael Kurz | | Infos, News
Sichere Geldanlagen in Deutschland

Deutschland hat weltweit die höchste Sparquote. Doch niedrige Zinsen führen zu großer Verunsicherung bei deutschen Sparern. Anlagen mit hohen Risiken, wie zum Beispiel Aktien gelten in Deutschland als Tabu. Stattdessen steigt das Interesse für sichere Anlageformen, wie Fest- und Tagesgeld oder der Lebensversicherung. Aufgrund der niedrigen Inflationsrate lohnt sich das sogar. Deutsche Geldinstitute sind überfordert: Sie wissen kaum noch, zu welchen Geldanlagen sie ihren Kunden raten können. Denn entweder sind die Risiken zu hoch, oder die Rendite ist zu niedrig. Dabei haben die Deutschen mit 9,9% im internationalen Vergleich die höchste Sparquote. Im Euroraum liegt sie nur bei 7,9%, in den USA bei etwa 4,5%. Die deutschen Anleger bunkern das Geld hauptsächlich auf vermeintlich sicheren Bankkonten, allen voran Sparkassen und Volksbanken. Das Volumen der Sichteinlagen hat sich binnen 5 Jahre auf 935 Mrd. Euro fast verdoppelt. Aktien gehen die Deutschen nach wie vor aus dem Weg. Diese gelten als traditionell riskant. Risiken lassen sich selbst mit Blue Chips nicht vollständig aus dem Weg gehen. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden Württemberg warnt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko, das der Anleger eingeht.

Studie: Deutsche Anleger sind die sicherheitsorientiertesten der Welt

Deutsche Anleger sind besonders an Sicherheit interessiert. Nach Auswertung einer Anlegerstudie des internationalen Vermögensvewalters Natixis Global Asset Management (NGAM) wollen 75% der Befragten nur ein minimales Risiko bei Ihrer Anlageentscheidung eingehen und sind dafür bereit, auf Rendite zu verzichten. Mehr noch: 59% der Befragten definieren Anlageerfolg überhaupt nur als den Erhalt des investierten Kapitals. Nur 7% sind daran interessiert, den Markt outzuperformen. Wichtigstes persönliches Anlageziel ist dabei nach wie vor die Altersvorsorge.

Die Lebensversicherung als Anlageklasse

Als eine der sichersten Anlageklassen gilt nach wie vor die Lebensversicherung. Hier sind die Sicherheiten sogar gesetzlich garantiert: Das in den Deckungsstock einer Lebensversicherung eingezahlte Kapital ist insolvenzgeschützt. Mit dem Garantiezins gibt es sogar ein gesetzlich geschütztes Versprechen auf einen Teil der Rendite. Aktuell beträgt er 1,25% – und liegt damit noch über der Inflationsrate. Aber können Lebensversicherungen nicht auch Bankrott gehen? Was passiert dann mit dem Geld? Prof. Fred Wagner, der an der Uni Leipzig lehrt, hält einen Konkurs der Lebensversicherung aktuell für ausgeschlossen. Wagner forscht speziell zum Thema Konkurs von Lebensversicherungen und vergleicht den deutschen Markt mit dem von Japan des Jahres 2000. Damals mussten acht japanische Versicherer Konkurs anmelden. Wagner zufolge bestehen große Unterschiede zwischen Japan 2000 und der Situation heute in Deutschland. Beispielsweise waren die Zinsgarantien in Japan viel höher. In Deutschland waren sie nie höher als 4%. Gesetzliche Grundlage für den Garantiezins ist §65 VAG, der besagt, dass der Rechnungszins höchstens 60% der durchschnittlichen Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen betragen darf. Verbraucher beklagen sich zwar über den niedrigen Garantiezins – aber es ist auch zu ihrem Schutz.

Was Lebensversicherungen von anderen Anlagen unterscheidet

2Lebensversicherungen sind vor allem eine beliebte Langfristanlage. Aber eine, die sich wesentlich von anderen Anlageformen unterscheidet. Das liegt vor allem in der Kollektivität der Lebensversicherung begründet. Doch das Kollektivbewusstsein ist bei den Versicherten mitunter wenig ausgeprägt. Dabei hat es durchaus seine Vorteile, wenn keinem etwas und allen gemeinsam alles gehört. Wer für sich persönlich das meiste aus seinem Vertrag herausholen will, spekuliert gegen das Kollektiv – und hat dabei oft sogar Verbraucherschützer auf seiner Seite. Die Regelungen im Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) beispielsweise haben dem Versicherten keinesfalls etwas weggenommen, sie haben das Kollektiv gestärkt. Anders sieht es bei anderen Kapitalanlagen aus, wo – anders als bei der Lebensversicherung – Verluste sofort realisiert werden. Die Lebensversicherung bietet sogar Zinsgarantien. Diese müssen mit Sicherheiten und Kollektivgarantien abgedeckt sein. Der von Verbraucherschützern kritisierte Stornoabzug bei vorzeitiger Kündigung stellt dabei einen Ausgleich für die Schädigung des Kollektivs dar. Dabei lassen sich vorzeitige Kündigungen leicht umgehen – durch Verkauf auf dem Zweitmarkt. Dort werden die Verträge bis zum Ablauf weitergeführt und der Versicherte profitiert neben dem Kaufpreisvorteil auch noch von einem beitragsfreien Rest-Versicherungsschutz.

Es mangelt an Alternativen zur Lebensversicherung

Trotz anhaltend negativer Presse und sinkender Überschussbeteiligungen wachsen auch die Beitragseinnahmen der Lebensversicherer. Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Es mangelt ganz einfach an Alternativen. Diese wachsende Bedeutung der Lebensversicherung macht die Police auch als reines Anlageobjekt interessant, schließlich werden jährlich Lebensversicherungen im Wert von 200 Millionen Euro auf dem Zweitmarkt verkauft, Tendenz steigend. Diese stehen Investoren als sicheres Investment zur Verfügung. Die Leistungsbilanz von Policen Direkt weist eine durchschnittliche Rendite von 4,45% bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 2,7 Jahren aus, verglichen mit einer Beitragsrendite von knapp über 3% bei einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren auf dem Erstversicherungsmarkt.

Vergleich Fondssparplan mit Lebensversicherung

Das Analysehaus Map-Report hat für einen Zeitraum von 30 Jahren Investmentfonds-Sparpläne mit Lebensversicherungen verglichen. Der Blick auf den Renditeertrag zeigt: Fondssparpläne erwirtschafteten zwischen -0,4 und +8,5% Rendite p.a. jährlich, während Lebensversicherungen zwischen 3 und 6,2% erreichten, berichtet der Map-Report 15/2014. Damit ist die Schwankung bei Lebensversicherungen wesentlich kleiner, vor allem bieten Lebensversicherungen eine Absicherung vor Verlustrisiko. In Fonds sieht der Map-Report somit keine wirkliche Alternative zur Lebensversicherung. Zudem würden viele Fonds die lange Laufzeit von 30 Jahren nicht überstehen, weil sie wegen Erfolglosigkeit vom Markt genommen werden mussten. Der betroffene Anleger muss dann wechseln, was sich auch auf die Rendite auswirkt. Dass trotz des Allzeithochs des DAX kein einziger Aktienfonds zweistellige Renditen erwirtschaften konnte, sei blamabel, so die Analysten von Map-Report. Auf der anderen Seite werden Lebensversicherungen irrtümlich oft für den Niedrigzins verantwortlich gemacht. Dabei sind Lebensversicherungen institutionelle Anleger des Kapitalmarktes, genau wie Banken. Sie unterscheiden sich von den übrigen Anlegern nur dadurch, dass ihre Anlagerisiken kollektiv verteilt werden.

Zins für Tagesgeld auf neuem Tiefstand

Seit Jahren ist der Zins für Tagesgeld kontinuierlich gesunken, wie die Untersuchung eines Tagesgeldvergleiches ergab. Danach hatte es den letzten Anstieg im März 2012 gegeben. Seitdem befindet sich der Tagesgeldzins im freien Fall. Experten empfehlen, zu versuchen, wenigstens die Inflationsrate zu matchen. Alternativen mit ähnlichen Sicherheiten sind Wallstreet Online zufolge festverzinsliche Anleihen, Sparbriefe, Aktienfonds und Lebensversicherungen. Dabei gilt: Die höchsten Zinsen verdient man bei langfristigen Geldanlagen. Darunter versteht man Anlagemöglichkeiten mit einer Laufzeit von mehr als 5 Jahren. Das gilt selbst innerhalb der Lebensversicherung. Policen mit einer Laufzeit von 30 Jahren erzielen eine höhere Ablaufleistung, als Versicherungen, die über 20 Jahre abgeschlossen wurden, und diese wiederum rentieren sich mehr, als kurz laufende Policen über 12 Jahre.

Inflationsrate auf Rekordtiefststand: Warum sich Niedrigzinsanlagen lohnen

Sparformen, wie Tages- oder Festgeld und Lebensversicherungen werfen zwar keine hohe Rendite ab, gelten aber als sicher. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Inflationsrate. Diese liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei aktuell 0,2%. Für Anleger ist das positiv, da sich somit auch eher niedrig verzinste Finanzprodukte lohnen. Dies kommt dem deutschen Anlageverhalten zugute, das schon immer auf Sicherheit ausgerichtet war. Die aktuelle Ablaufrendite für Lebensversicherungen beträgt beispielsweise 4,79% für 30jährige Verträge. Auf dem Zweitmarkt für Lebensversicherungen erhält man ähnliche Renditen – mit erheblich kürzeren Restlaufzeiten. In Kürze:

  • Problematik Geldanlage im Spannungsfeld zwischen hohen Risiken und niedrigen Zinsen

  • Deutschland hat weltweit die höchste Sparquote

  • Deutsche Anleger gelten als sehr sicherheitsorientiert

  • Lebensversicherung gilt aufgrund der gesetzlichen Grundlagen als besonders sicher

  • Je länger der Anlagehorizont, desto höher die Rendite

  • Lebensversicherung gilt als klassische Langfristanlage

  • Zweitmarkt für Lebensversicherungen dient dazu, langfristige Anlagen flexibler zu machen

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